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Risiken einer Eilgut Terminsendung

Die Klägerin wollte an einer Ausschreibung teilnehmen. Für die Bieter bestand
eine Angebotsfrist bis 30.04.2013, 11.00 Uhr.
Sie beauftragte die Beklagte, welche verschiedene Eiltarife anbot, die Ausschreibungs-unterlagen zu dem Empfänger zu transportieren und wählte den Tarif „Folgetag bis
10.00 Uhr“. Für diesen Eilauftrag zahlte sie ein gegenüber der normalen Beförderung erheblich erhöhtes Entgelt.
Die Sendung traf am Folgetag erst um 11.45 Uhr bei der Empfängerin ein, so dass das Angebot der Klägerin bei der Ausschreibung nicht mehr berücksichtigt wurde.
Die Schadensumme über 72’000.- Euro.  Wie hat das Gericht entschieden?  Lesen Sie hier weiter.

LKW auf der Ueberholspur

Kosten und Nutzen bei einem Überholmanöver durch Lastwagen stehen in keinem Verhältnis.

Obwohl der Strassentransport für ca. 20% der CO2-Emissionen verantwortlich ist, gibt es bis heute keine Standards bei den Treibhausgasemissionen. Das hat dazu geführt, dass Firmen wie Nestlé, Philips oder DB Schenker in einem Schreiben die EU aufgefordert haben, solche Standards in den nächsten zwei Jahren einzuführen. Der Fokus wird dabei auf die Senkung des Treibstoffverbrauchs gelegt, welcher – so die Unternehmen – bis zu USD 10‘000.- pro Jahr und Lastwagen ausmachen kann.

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG hat bereits frühzeitig reagiert und bietet ein entsprechendes Ausbildungsprodukt an. QualiDrive soll den Treibstoffverbrauch senken und die Nachhaltigkeit fördern. Dies lässt sich unter anderem durch einen verbesserten Fahrstil erreichen. Die ersten Erfahrungen mit QualiDrive sind vielversprechend. So berichtet ein Transportunternehmer von jährlichen Einsparungen beim Treibstoff von 200‘000 Litern und mehr als 535 Tonnen CO2.

In der Praxis wird dieser Erkenntnis leider noch nicht überall Beachtung geschenkt.

Vermutlich hat der billige Dieselpreis dazu geführt, dass Lastwagen vermehrt auf der Überholspur anzutreffen sind.

Dabei wird oft verkannt, dass Kosten und Nutzen bei einem Überholmanöver durch Lastwagen in keinem Verhältnis stehen. Auf 100km und einer Geschwindigkeit von 88km/h beträgt die zeitliche Einsparung gegenüber 80km/h gerade einmal 6 Minuten, aber dafür werden 11% mehr Dieseltreibstoff benötigt und die Umwelt stärker belastet.

LKW A 80km/h – LKW B 88km/h = 6 Minuten schneller + 11% mehr Diesel

Ein Lastwagen, der mit 80km/h fährt und von einem Lastwagen mit 85km/h überholt wird, benötigt eine Strecke von 1.5 Kilometer, bis er das Überholmanöver abgeschlossen hat.

LKW A 80km/h wird von LKW B 88km/h überholt = 1500m auf der Überholspur

Kommt dazu, dass der Verkehrsfluss abrupt gestört wird und das Unfallrisiko zunimmt. Kosten und Emissionen steigen überproportional. Dem Firmenimage dürfte das ebenfalls nicht gerade förderlich sein. Unklar bleibt zudem, wie sich das Verhalten auf den Treibstoffverbrauch und den CO2-Ausstoss auf die Personenwagen auswirken, die nach Abschluss des Überholmanövers wieder beschleunigen.

Wir haben die Daten auf der Strecke Kriegstetten – Baden – Kriegstetten vom September 2015 bis Juli 2016 ausgewertet. Link

Fazit:

  • Es besteht eine Diskrepanz zwischen dem, was Firmen bezüglich Ökologie und Nachhaltigkeit auf der Homepage angeben und teilweise mit Zertifikaten dokumentieren und was dann auf der Strasse tatsächlich passiert.
  • Auffallend bei 2 Unternehmen ist, dass deren Lastwagen sich auch öfters gegenseitig überholt haben.
  • Ein Unternehmen fällt mit 25% aller erfassten Lastwagen auf der Überholspur besonders auf.
  • Bei den meisten Fahrzeugen handelt es sich um Lebensmitteltransporte.
  • Bei der dreispurigen Autobahn zwischen den Verzweigungen Härkingen und Wiggertal kommt es tendenziell zu mehr und längeren Lastwagenrennen. Nicht zuletzt vermutlich darum, weil hier die Strecke leicht ansteigt.

Seit Jahren beklagen sich die Verantwortlichen der Transportbranche über Preisdruck und die kleine Rendite.

Aufgrund unserer Auswertungen scheint diese Aussage nicht für alle Unternehmen zu stimmen.

Bald stehen wieder Verhandlungen über die Transportpreise 2017 an. Gerne unterstützen wir Sie dabei mit unserem Wissen.

Logistik 4.0

Logistik heute und morgen

Die Logistik von heute ist immer noch geprägt von sehr viel Optimierungspotenzial. Gleichzeitig bietet die Industrie 4.0 mit der Verschmelzung von Internet und industriellen Prozessen neue Möglichkeiten. Vergessen bei der ganzen Euphorie geht oft die Frage nach den Kosten und dem effektiven Kundennutzen.

Ein bekannter, ISO 9001:2008 zertifizierter, Storenproduzent montiert einen Fensterladen trotz offensichtlichem Transportschaden. Erst nach 6 Monaten und diversen Nachfragen wird dieser ersetzt und dann stellt der Kunde fest, dass der Farbton der Lamellen Unterschiede aufweist.

Ein weltberühmter und mehrfach prämierter Waschmaschinenhersteller, der den firmeneigenen Webshop entgegen aller Erwartung wie ein Kleinsthändler betreibt. Im betroffenen Fall wird eine Bewilligung nicht zeitgerecht eingeholt, der gleiche Artikel mit unterschiedlichen Artikelnummern im System geführt, eine Bestellung wird vergessen (was der Kunde bemerkt hat) und am Schluss werden 2 Bestellungen, für den gleichen Kunden, am gleichen Tag nicht in einen Karton verpackt, sondern in zwei selbständigen Lieferungen wovon eine, trotz ausreichend Platz im Karton, in einem Mehrwegbehälter. 3 Tage nach Lieferung kommt die 1. Mahnung mit dem Hinweis, dass der Empfänger bereits seit 26 Tagen im Zahlungsverzug ist.

Ein Buchhändler meldet dem Kunden bereits den Versand, wenn die Ware vom Lieferanten eintrifft und blendet die interne Logistik komplett aus. Ein Marktführer für Unterhaltungselektronik riskiert Schäden an der Ware, weil er die falsche Verpackung wählt.

Vier aktuelle Beispiele die zeigen, wie Logistik heute funktioniert – oder eben auch nicht.

Demgegenüber und getrieben von vielen Forschungsgeldern, steht die aktuelle Diskussion um Industrie 4.0, dem Einsatz von 3D-Druckern, Robotern sowie unter anderem auch dem Internet der Dinge, welches Informationen, Menschen und Maschinen miteinander verbindet. So sollen z.B. zukünftig Drohnen in der Lagerinventur eingesetzt werden. Diese spannende Thematik ist für die Forscher selbst natürlich attraktiver, wie z.B. die Lösungssuche für das seit Jahren bekannte Palettenproblem.

Zu diesen Innovationen lässt sich jedoch feststellen, dass der Blick auf die damit verbundenen hohen Investitionen und Betriebskosten fehlt. Je komplexer die Technologie, umso intensiver die Kosten und die Abhängigkeit vom entsprechenden Lieferanten.  Wer kann sich das überhaupt leisten?

In der ganzen Euphorie und Aufbruchsstimmung bleibt unklar, welchen Nutzen letztlich der Kunde davon hat. Wer glaubt, logistische Probleme nur mit Hilfe technologischeren Möglichkeiten zu lösen, ist sicher auf dem Holzweg.

Die besten Unternehmen sind die, die ihre eigenen Prozesse beherrschen und zudem laufend verbessern. Dies ist die Grundvoraussetzung, um überhaupt neue Techniken sinnvoll und kosteneffizient einzusetzen. Erste Ansätze insbesondere im Bereich der RFID-Technologie und des 3D-Druckers sind erkennbar. Diese werden zweifellos die Logistik der Zukunft stark beeinflussen.