Cycle Time Automobilindustrie

Cycle Time Automobilindustrie am Beispiel Ford Motor

Aktuell kann Ford weder die bestätigten Lieferzeiten einhalten noch verbindliche Nachliefertermine angeben.

Wie die meisten Automobilhersteller, hat auch Ford Motor in den 80er Jahren eine grössere Anzahl von „Change“-Projekten initialisiert mit dem Ziel, die Kosten zu senken und die Qualität zu erhöhen. Nur wenige dieser Programme waren nachhaltig. Meistens wurden solche Projekte noch während der Projektphase durch neue Projekte abgelöst, weil die erwarteten Resultate auf dem Papier noch besser waren.

#Ford Motor war damals der Meinung, dass die Reduktion der Durchlaufzeit (Cycle Time) die Basis für die meisten Verbesserungen ist.

Bereits vor über 10 Jahren haben viele Automobilhersteller Geld verloren. Mit Hilfe von Lean Methoden und japanischen Experten wurden, nicht ohne Erfolg, die #Produktionsprozesse verbessert, welche aber nicht zur gewünschten Profitverbesserung geführt haben. Sicher ein Grund war, dass ein Auto im Durchschnitt innert 11 Stunden produziert wurde. Die #Durchlaufzeit von der Bestellung bis zur Auslieferung war jedoch rund 40 Tage.

Mit Unterstützung des Department of Industry (DTI-UK) und des Engineering and Physical Sciences Research Council (EPSRC) wurde zwischen 1999 und 2001 ein Forschungsprojekt u.a. mit Beteilung von Ford Motor gestartet, um die #Cycle Time sprich von Bestellung bis Auslieferung auf 3 Tage zu reduzieren.

Build To Order in 3 Tagen mag ein sehr ambitiöses Vorhaben sein. 5 Tage wären schon realistischer. Dass Ford aber heute noch nicht in der Lage ist, bestätigte Liefertermine von 120 Tagen einzuhalten, geschweige einen Nachliefertermin zu bestätigen, zeigt, dass in den letzten 10 Jahren wenig passiert ist.

In Deutschland sollen in den nächsten Jahren in der Automobilindustrie mindestens 70‘000 Arbeitsplätze wegfallen. Treiber sind Investitionen in Milliardenhöhe für die Entwicklung in die Elektromobilität und entsprechend selbstfahrender Autos. Unterstützt durch „künstliche Intelligenz“ (KI) sollen Prozesse und Produkte flexibler und effizienter werden.

Immer mehr Firmen suchen die Lösung ihrer Probleme in der #Digitalisierung. So auch Ford, denn gem. W. Kopplin – Geschäftsführer Marketing und Vertrieb Ford Deutschland, werden die Chancen der Digitalisierung immer noch unterschätzt. Dass die Digitalisierung in der Praxis noch einen schweren Stand hat, wird uns täglich vor Augen geführt.

Es gibt aber auch Entwickler, welche die Problematik erkannt haben. So meint M. Cyankiewicz – Firma Young Digitals «Digitale Produktentwicklung fokussiert sich leider immer noch vorwiegend auf die reine Umsetzung bauchgetriebener Ideen, ohne sicherzustellen, ob es überhaupt ein Problem löst». Oder A. Gerauer von Tickaroo «Der Machine Learning-Hype geht weiter – doch die Frage stellt sich, inwiefern die Modelle auch halten, was sie versprechen. Im Trainingszenario liefern sie oft die gewünschten Resultate, in der Praxis zeigen sich aber immer wieder Schwächen.»

Wie hat es schon Grady Booch, ein Pionier in object-oriented-modelling, gesagt

A fool with a tool is still a fool”

Wer bis heute nicht in der Lage war seine Prozesse zu optimieren, die Durchlaufzeiten zu senken und Transparenz zu schaffen, der wird auch mit der Digitalisierung erheblich Mühe haben.

Beat K. Schlumpf

Roboter gab es schon 1984

#Roboter #Industrieroboter #Industrie 4.0 #Digitalisierung #GSL

Beim ganzen Hype um den Robotereinsatz geht schnell vergessen, dass es diese schon seit vielen Jahren gibt. Lediglich die Technologie und die Einsatzmöglichkeiten ändern sich rasant.

Bereits 1984 waren in Japan 64’000 Industrieroboter im Einsatz.  Platz 2 die USA mit 13’000, Deutschland 6600 (1985 8800).

Interessant ist die Zahl der Roboter im Vergleich zu den Beschäftigten je 100’000 Arbeitnehmenden.

USA ist dann nur auf Platz 5. Platz 2 ist Schweden und Deutschland auf Platz 3 mit einer Quote von 131 (1985)

Die Schweiz war damals noch Entwicklungsland in Sachen Robotereinsatz.  Auf 20’000  Einwohner kam gerade 1 Einheit. Damals waren in dieser Branche 280 Arbeitnehmende beschäftigt. Vorwiegend Ingenieure, Physiker, Informatiker und Elektrotechniker. Vor allem Unternehmen in der Westschweiz haben sich mit der Entwicklung von Robotern beschäftigt.

Der Anwendungsbereich der Roboter war vielfältig. Vorwiegend für Aufgaben wie Beschichten, Schweissen, Belade und Entladen von Maschinen und Vorrichtungen sowie Palettieren und Verpacken.

Quelle: Bulletin Natural AG, 9/86 – September 1986


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